Kongobriefe 2026

    1. Kongobrief Juni 2026

    2. Kongobrief März 2026

    Kongobrief Juni 2026

    Liebe Freundinnen und Freunde unserer Überlebenshilfe für die Menschen im Kongo,

    Wir müssen das ganz klar sagen: Was MitAfrika im Ostkongo macht ist keine „Entwicklungs-“, sondern eine „Überlebenshilfe“. Das ist etwas ganz anderes!

    Der Begriff „Entwicklung“ ist im Norden entstanden. Unsere Regionen haben sich von einer Agrar- in eine In­dustriegesellschaft „entwickelt“ und derzeit mutieren wir in eine „IT-Gesellschaft“. Die tro­pische Welt ist davon abgekoppelt und kämpft um ihr Überleben. Sie wird von denen vergewaltigt, die „auf Teufel komm heraus“ die Rohstoffe plündern und mit viel Geld deren Transportwege in den Norden „sichern“, wovon im Kongo meist Re­bellengruppen die Profiteure sind. Solange dies anhält werden Wälder, auch Nationalparks wie Kahuzie Biega, zerstört, auch Virunga ist gefährdet, die Tierwelt wird rücksichtslos dezimiert und die Menschen haben um ihr Überleben zu kämpfen, denn von den Tischen dieser Herren fällt für sie nur wenig herunter.

    Doch die Natur wehrt sich. Plötzlich ist Ebola wieder in aller Munde. Der 17. Ausbruch im Nordos­ten des Kon­gos wäre normalerweise für die erfahrenen kongolesischen Gesundheitsbehörden eine Routineangelegenheit, aber Rebellen, teilweise sogar muslimische Jihadisten, machen die Region unsicher. Und zu allem Überfluss sind auch noch „Verschwörungstheoretiker“ aktiv, die den Leuten einreden, das stimme alles gar nicht mit Ebola.

    MitAfrika „entwickelt“ also nicht den Kongo, sondern wir teilen ein wenig von unserem Reichtum und „reichen“ dies den „Armen“, die uns aus dem Kongo entgegengestreckt werden. Genauge­- n­om­men ist diese „Umverteilung“ ein Beitrag zur Gerechtigkeit, die diesen um ihr Überleben kämp­fenden Menschen mindestens zusteht. Kurzge­sagt: das ist unsere Pflicht und Schuldigkeit und wir danken allen Freundinnen und Freunden, die hier via Mit­Afrika mit-teilen.

    Und wieso gerade für den Kongo? Wer nur ein wenig die Geschichte von Zentralafrika kennt, weiß schon wie sehr die Seele dieser Völker verletzt und gekränkt wurde: durch den Sklavenhan­del, die brutale belgische Kolonial­herrschaft, die Ermordung ihres ersten frei gewählten Minister­präsiden­ten Lumumba, mit folgenden 30 Jahren Mobutu-Diktatur, welche die Korruption installierte und durch die Rohstoffkriege. Wer weiß heute noch, dass seinerzeit deutsche Firmen Korrup­tionszah­lungen in Afrika von der Steuer absetzen konnten?

    Wie heilen solche Strukturen? Sicherlich nicht durch „Entwicklungshilfe“.

    So müssen wir „Überlebenshilfe“ an viele Arme weiterreichen. Das ist zum einen das Schulgeld für über 200 Kinder, davon viele Waisenkinder, die sonst nicht zur Schule ge­hen könnten.

    Das ist zum anderen jetzt die Fortsetzung unseres Projektes der Barfuß-Berufsschule zu der uns die Schmitz-Stiftung aus Mitteln des BMZ einen Zuschuss von 25.000 Euro bewilligt hat zu dem wir knapp 9.000 Euro Eigen­mittel aus Spenden hinzutun müssen. Aber damit können dann in den nächsten 12 Monaten 390 junge Frauen und Mütter folgendes lernen: Lesen und Schreiben, jene, die nicht zur Schule gehen konnten, Früchte (solar) trocknen, Haltbarmachen, Saft herstellen, ver­besserte Lorena-Öfen herstellen, Baumschulen anlegen und Bäumchen für künftiges Feuerholz pflanzen, Schneiderei, Imkerei, kleine Unternehmen gründen mit Mikrokre­diten, einige lernen auch Computerkenntnisse – also ein breites Feld und eine Ermutigung für diese Frauen.

    Ja auch unsere Nothilfe ist immer wieder gefragt, etwa wenn ein Kind im Krankenhaus behandelt werden muss, wenn Verletzungen von betrunkenen Rebellen behandelt und lebensrettende Maß­nahmen finanziert werden müssen. Schon im vorigen Jahr habt Ihr uns wunderbar geholfen, als der Ostkongo fast überall von den ruandi­schen Tutsi-Rebellen besetzt war. Uvira und der größte Teil der nördlichen Ruzizi-Hochebene ist jetzt wieder frei, aber der Rest von Süd- und Nordkivu nicht. Und die Not ist nicht geringer geworden. Deswegen müssen wir die „Pipeline“ für unsere Überlebenshilfe offen halten.

    Aber manchmal können wir uns auch dankbar freuen: Vor wenigen Wochen konnten wir den größ­ten Teil des diesjährigen Zuschusses für die neun Marafiki wa Mazingira-Gruppen, also die jugend­lichen Umweltschützer, ins Kivu-Hochland überweisen: In die Region, wo wir teilweise seit 20 Jah­ren Aufforstungsprojekte fördern konnten. Auch eine Fortbildung der jugendlichen Gruppenleiter wird gerade an diesem letzten Mai-Wochenen­de in Kavumu am Rand des bisherigen Kahuzie-Bie­ga-Nationalparks durchgeführt. Hauptthema sind Vertiefung landwirtschaftlicher Kenntnisse, wel­che die Gruppen intensivieren sollen als Eigenleistung für ihr Überleben.

    Wir danken allen, die dies bis hierhin gelesen haben und sind umso dankbarer wenn Sie unseren Spendenappell nicht beiseite legen, sondern für unsere Überlebenshilfe einmalig oder regelmäßig spenden! Wir danken allen, die dies in den letzten Monaten schon getan haben. Bleiben Sie dabei.

    MitAfrika-Spendenkonto bei der Sozialbank:

    DE05 3702 0500 0020 0855 41 IBAN: BFSWDE33XXX

    Verwendungszweck: Schulgeld Uvira/Überlebenshilfe Kongo

    Drei Dokumente als Anlage zum Kongobrief Juni 2026 von MitAfrika e.V.

    Neulich hat Heinz Rothenpieler zum Thema Rassismus eine Stellungnahme abgeben. Hier ein Ausschnitt:

    Ich arbeite seit fast 40 Jahren mit Afrikanern, zunächst hier in Deutschland. Ich habe das Thema Rassismus damals beispielsweise über 15 Jahre lang mit ihnen rauf- und runterbuchstabiert. Wir haben zahlreiche Kongotage veranstaltet und ich habe Hunderte von Schulveranstaltungen mit afrikanischen Referenten organisiert, die genau solche Themen ansprachen.

    Die Kongolesen haben dann dafür gesorgt, dass ich 2004 erstmals in den Kongo reisen konnte - und seither sind über 20 weitere solche Reisen dazugekommen.

    Gerade dieser Tage habe ich bei einem jungen, hier geborenen, ghanesischen Freund nochmal das Thema "Rassismus" angesprochen und er bestätigte mir, dass er hier in Deutschland verhältnismäßig oft mit Rassismus konfrontiert ist. 

    Im Kongo war ich im ländlichen Bereich dagegen oft wochenlang der einzige Weiße der da herumlief, aber Rassismus ist dort kein Thema. Manche kleinen Kinder hatten vorher noch nie einen "Musungu" (weißen Mann) gesehen und liefen schreiend und entsetzt fort als sie erstmals in ihrem kurzen Leben den "Farblosen" sahen. Die Bevölkerung (und ich) hatten unseren Spaß dabei. Rassismus wie in Europa ist dort kein Problem: Die Weißen werden respektiert und da ist nichts zu vermitteln.

    Das Problem ist ein anderes: Die weißen Leute werden als solche wahrgenommen, die immer Geld in der Tasche haben und alles finanzieren können, während der größte Teil der Bevölkerung in bitterer Armut lebt. Im Vergleich zu dieser leben beispielsweise die europäischen Mitarbeiter der Entwicklungsorganisationen dort wie "Gott in Frankreich", denn wer Geld hat, bekommt eigentlich alles, was man benötigt. Ich nenne das "strukturellen Rassismus". So wie südlich des Äquators mittags die Sonne im Norden steht, muss man also die "europäischen Fragen" von der anderen Seite sehen. Deshalb habe ich den jungen Leute oft versucht zu vermitteln, wie die Europäer "ticken". Das fand allergrößtes Interesse. Die Jahreszeiten in Europa und die tropische Welt sind halt sehr verschieden und die Kompetenzen der Bewohner der Tropen liegen traditionell woanders als in der "Winter-Sommer-Welt".

    Interessant ist jedoch, was in Afrika bzw. im Kongo gut funktioniert: beispielsweise Mobiltelefonie und (mechanische) Autos, die in jedem Dorf repariert werden können, auch die Krankenhäuser - wenn man sie bezahlen kann, was viele leider nicht können. 

    Die sogenannte Entwicklungshilfe hat ein Problem, weil da auch alle Gelder aus dem Norden kommen. Bis der FDP-Entwicklungsminister Niebel kam, gab’s beim BMZ das System, dass von den 25% Eigenanteil 15% eine lokale (also kongolesische) Eigenleistung sein konnte, z.B. Arbeitsleistungen oder bewertete Grundstücke. In den vielen Volksversammlungen, die ich zu diesem Thema hatte, war immer sehr wichtig darzustellen, dass durch ihre Leistung das Projekt im geplanten Umfang durchgeführt werden konnte, wodurch sie sozusagen auf gleiche Augenhöhe kamen mit den Europäern und ihre Eigenleistung außerordentlich wichtig war. Angeblich hat dann das Finanzministerium die Abschaffung gefordert. Heute ist das Entwicklungshilfeministerium auf diesem Niveau wieder "Sozialamt". 


    Leserbrief von Heinz Rothenpieler vom 28.5.26 an die NZZ zum Artikel "Die deutsche Entwicklungshilfe hat sich überlebt"

    Erstens sollte die staatliche sogenannte Entwicklungshilfe nicht mit den privaten Bemühungen der Nichtregierungs-Organisationen in einen Topf geworfen werden.

    Zweitens ist mir unbegreiflich wieso die staatlichen Kompetenzen nicht dort vermittelt werden, wo sie benötigt werden: für eine bessere, gerechtere und kompetentere Administration in den Ländern des Südens. Solche Programme waren bisher die Ausnahme. Stattdessen „wildert“ die staatliche Entwicklungshilfe oft in Bereichen, die von den Nichtregierungs-Organisationen mindestens genauso gut oder besser durchgeführt werden – und deswegen Förderung verdienen. Was hier nötig ist könnte mit dem Begriff „Subsidiaritätsprinzip“ praktiziert werden. Wenn Private etwas besser machen, sollen sie das tun (auch mit öffentlicher Förderung) und staatliche Intervention ist nur dann nötig, wenn dies Private nicht aufgreifen.

    Drittens. Unerträglich ist die Arroganz einiger Leserbriefschreiber gegenüber der Armut in vielen Ländern des Südens. Hierzulande sind selbst Bürgergeldempfänger sehr viel reicher als die meisten Menschen in vielen armen Ländern des Südens. Diese leiden oft unter schlechter, korrupter, staatlicher Verwaltung. Das anzusprechen und hier gerechtere Verhältnisse zu schaffen wäre ein dankbares Feld für staatliche Entwicklungshilfe (Stichwort: Transfer staatlicher Kompetenzen) und würde wesentlich weniger Geld benötigen als manche unrealistischen Programme, die in Bereichen verpulvert werden wo private Akteure oft mehr Kompetenz haben.


    Aktuelle Probleme des Überlebens im Kongo

    Drei von zehn Familien in der Demokratischen Republik Kongo leiden unter mangelhafter Ernährung

    Mehr als drei Viertel der Haushalte in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) sind von Ernährungsunsicherheit betroffen. Dies geht aus einem gemeinsamen Bewertungsbericht hervor, der am Mittwoch, den 29. April, vom Nationalen Institut für Statistik (INS) mit Unterstützung des Welternährungsprogramms (WFP) veröffentlicht wurde.

    Die Ernährungskrise bleibt in der DR Kongo ein ernstes Problem, wie aus dem Bericht zur Notfallbewertung der Ernährungssicherheit und Mangelernährung 2025 hervorgeht. Er zeigt, dass die große Mehrheit der Haushalte Schwierigkeiten hat, sich ausreichend zu ernähren.

    Kongo Akuter Hunger

    Dem Bericht zufolge sind 77,3 % der Haushalte betroffen, wobei ein erheblicher Anteil unter schwerem Hunger leidet. Insgesamt sind fast 27,7 Millionen Menschen im Land von akutem Hunger betroffen. Diese Situation ist auf anhaltende Konflikte, Bevölkerungsvertreibung und wirtschaftliche Not zurückzuführen. Die meisten Haushalte sind auf informelle Tätigkeiten angewiesen und verfügen nicht über ausreichendes Einkommen, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Infolgedessen verschlechtert sich die Ernährungssicherheit. Etwa drei von zehn Haushalten weisen eine unzureichende Ernährung mit erheblichen Nährstoffmängeln auf.

    Reduzierung der Mahlzeiten in den Haushalten

    Um zurechtzukommen, greifen manche Familien zu extremen Maßnahmen: Sie reduzieren die Mahlzeiten, verkaufen Besitztümer oder nehmen ihre Kinder sogar von der Schule. Ein weiteres besorgniserregendes Ergebnis: Fast 60 % der Haushalte geben mehr als drei Viertel ihres Einkommens für Lebensmittel aus, was sich negativ auf Gesundheit und Bildung auswirkt. Angesichts dieser Situation empfehlen Experten dringende Maßnahmen, die humanitäre Hilfe, Unterstützung für Existenzsicherung und einen verbesserten Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen umfassen (www.radiookapi.net)

    www.kongo-kinshasa.de vom 30.4.26

    Spendenkonto MitAfrika bei der Sozialbank: DE05 3702 0500 0020 0855 41


     

    Kongobrief März 2026

     

    Liebe Freundinnen und Freunde unserer Überlebenshilfe für die Menschen im Kongo,

    Wunder kommen manchmal in ganz kleinen Schritten...

    So sanktioniert das amerikanische Finanzministerium neuerdings die ruandische Armee, weil sie die M23-Rebellen im Ostkongo unterstützt. Ruanda und der M23 war zudem vorgeworfen wor­den mit der Beset­zung Uviras im Südkivu das Doha-Abkommen verletzt zu haben. Deshalb sahen sich die Tutsi-Rebellen vor kurzem gezwungen, Uvira wieder zu verlassen. Sie richteten einen Grenz­posten im ungefähr 30 km weiter nördlich gelegenen Sange in der Ruzizi-Hochebene ein. Seit­dem ist sogar die Straßenverbindung zwischen Bukavu – Kamanyola - Uvira wieder offen. Burun­di hat seine Grenze zum Kongo am nördlichen En­de des Tanganjikasees wieder geöffnet, was vor allem für Uvira hilfreich ist, aber auch für kongolesische Flücht­linge in Burundi, die jetzt wie­der zurückkehren können. Damit hat sich alles ein klein wenig ent­spannt.

    Die eingezeichneten Kreise bezeichnen unsere früheren Aufforstungsprojekte

    Aber: Die Bevöl­kerung kämpft weiterhin ums Überleben.

    Hunger und Krank­heiten sind die größten Plagen“, hören wir. Seit die M23 Teile der Kivu-Provinzen unter ihre Kontrolle gebracht haben, liegt die Wirtschaft am Boden. Banken und Mikrofinanzinstitute sind ge­schlossen und außer Betrieb. Mobiles Bezahlen wird alter­nativ im­mer wichtiger.“

    Auch wir müssen viele unserer Nothilfen über mobile Zah­lungswege transferieren, deren Auszahlungsgebühren hoch sind. « Geldbe­schaffungskosten » nennt sich das. (Was früher die kongolesische Nationalbank besorgte.) Die einzelnen Transferbeträge sind be­grenzt. Doch für viele un­serer Freunde ist das, was von uns kommt, eine Überlebenshil­fe.

    Besonders wichtig ist uns, dass die langjährigen Unterstützun­gen für Schulgeld und für die Marafiki wa Mazingira weiterge­hen. Außer­dem war im letzten Jahr das erste Trimester der Barfuß-Berufs­schu­le eine große Er­mutigung für über 100 junge Frauen. In diesem Jahr kann dies, so hoffen wir, in einigen Monaten mit drei weiteren Tri­mestern weitergehen für insgesamt 390 Frauen und Mütter. Nicht nur Alpha­betisierung und Konservierung von Lebensmitteln stehen auf dem Programm, son­dern auch Nähen, Schneidern, Imkerei und verbesserte Öfen her­stellen.

    In Goma lässt Dr. Markellos mit unserer Unterstützung Artemisia auf einigen Feldern wachsen und kann inzwischen damit selbst Medikamente gegen Malaria herstellen, die dringend benötigt werden.

    Ungebremster Holzbedarf

    Leider verhindern weder das Doha-Abkommen noch andere einfluss­reiche Stellen die anhalten­den Abhol­zungen im Kahuzie-Biega-Natio­nalpark und inzwischen auch im Virunga-Nationalpark. Selbst kleinere Flä­chen aus unseren Aufforstungen stehen unter erheblichem Druck. Polizei und Rechtssicherheit sind ver­schwunden. Dies war zwar schon vorher nicht besonders stark, aber un­tereinander fanden die Kongole­sen immer Lösungen, einen Kompromiss, eine Einigung. Mit den Tutsi-Rebellen und ihren ruandischen Paten ist das nicht so einfach möglich.

    Unsere Antwort : Bäume pflanzen

    Gerade in dieser schwierigen Zeit im Osten bin ich sehr froh, wenn wir diese kleinen Pro­jekte mit den Marafiki wa Mazingira, den jugendli­chen Umweltschützern, weiterhin fördern kön­nen, sodass Bäu­mepflanzen und Waldbewirt­schaftung weiterhin statt­finden, auch wenn wir keine flächende­ckenden Aufforstungen mehr finanzieren können und lei­der auch nicht die Weite­rentwicklung der Forstwirtschaft, wie dies eigentlich mit den Förstern ge­plant war. Umso wichtiger ist, dass dieses Bäume pflan­zen "Selbstläufer" bleibt. Die Jugendli­chen sind die treibende Kräfte dafür. Eine sogenannte "Niederwald-Forstwirtschaft" ist im­mer noch besser als gar keine. Eigent­lich wollten wir die Partner zur "Hochwald-Forstwirtschaft" führen, die finanziell lukra­tiver ist, aber das gelang über das BMZ mit der früheren Organisation LHL lei­der nicht.

    Brief aus dem Ostkongo

    Ein Originalbericht aus dem Umfeld des bisherigen Kahuzie-Biega-Na­tionalparks berichtet, dass das Verschwinden der Wälder erheblichen Einfluss auf das lokale Mikroklima hat:

    « Die gegenwärtige Abholzung von Bäumen und Vegetation im und um den Kahuzi-Biega-National­park (PNKB) versetzt uns in eine prekäre Lage mit weitreichenden Folgen für die agrarökologischen Zonen der um­liegenden Gemeinden.

    Seit März 2025 sind die Niederschläge sehr selten, aber stellenweise sintflut­artig. In den Ökosystemen wurden zwei Probleme beobachtet:

    Reduzierte landwirtschaftliche Erträge, die zu Hunger, Armut und Mangel­ernährung unter gefähr­deten Be­völkerungsgruppen, insbesondere Frauen und Kindern, führen.

    Fehlende Vegetation, die als Futterquelle für Nutztiere dient.

    Die Sterblichkeit von Jungtieren, die in die­sem Zeitraum geboren wurden, da ihre Mütter nicht ge­nügend Milch hatten.

    Das Auftreten verschiedener Krankheiten in den Dörfern, die bereits viele Todesopfer gefor­dert ha­ben, da Familien sich aufgrund von Geldmangel die Behandlung ihrer Angehörigen in Krankenhäu­sern nicht mehr leis­ten konnten.

    Was die Verwendung von Heilpflanzen betrifft, so waren einige Pflan­zen lokal nicht mehr verfüg­bar, wes­halb manche Bewohner im Kahuzi-Biega-Nationalpark (PNKB) nach Heilmitteln suchten. Ei­nige kamen bei Auseinandersetzungen mit Angreifern ums Leben.

    Viele Frauen, die nicht über die Mittel verfügten, ihre Familien zu er­nähren, riskierten, sich im PNKB der Pro­stitution zuzuwenden und Holz­kohle zu verkaufen.

    Der Mangel an Brennholz und Baumaterialien trieb Männer wie Frau­en in den PNKB, um dort nach Ressour­cen zu suchen. Andere nutzten die Situation, um Holzkohle herzustellen, die im Handel zwi­schen Nord- und Süd-Kivu, sowohl entlang der Straßen als auch an den Seen, zu ei­nem knappen Gut geworden ist. 

    Um dieser Situation zu begegnen, legten wir im Rahmen unseres Programms „Gegenseitige Hilfe und Forst­wirtschaft“ (MWM) und mit Unterstützung unserer Mitglieder eine große Baumschule für die Produktion von Agroforst- und Aufforstungssetzlingen sowie Futterpflanzen an. Dies geschah alles in Reaktion auf die Bedürf­nisse der begünstigten Mitglieder. Wir haben das MWM-Team durch Aktivitä­ten erweitert, bei denen gleich­zeitig auch die Eltern einbezogen wurden, um sie darin zu schulen, die sie umgebende Biodiversität zu schüt­zen. »

    Mit dem nachfolgend skizzierten Konzept wollen wir in Zukunft die Jugendlichen Marafiki wa Ma­zingira in ihren neun Gruppen ausbilden:

    « Agrarökologie wird per Definiti­on als Lebensweise ver­standen, die auf dem Arbeiten mit der Natur basiert, nicht gegen sie, mit dem Ziel einer nachhaltigen Land­wirtschaft. Schulungs- und Lernaktivi­täten werden als wichtiger Pro­zess für den agrarökologischen Wandel betrachtet. Die Agrarökologie bietet Lösungen für die großen ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und po­litischen Herausforde­rungen unserer Zeit. Sie ist so­wohl eine Lebensweise als auch eine wissenschaftliche und gesell­schaftspolitische Bewegung, die von Menschen über Jahrtausende hinweg aufgebaut und entwickelt wurde. »

    Können wir in den nächsten Monaten mit Ihrer Unterstützung diese Arbeit fort­setzen?

    In diesem Schuljahr bemühen wir uns 188 Kinder zu fördern, die ohne Ihre Unterstützung nicht zur Schule gehen könnten, da im Kongo Schulbesuch Geld kostet. 132 Kinder in Uvira, davon 65 Waisenkinder und 56 Kinder in Ka­manyola hoffen bis zum Ende des Schuljahres (und darüber hinaus) aus Deutschland gefördert zu werden, 90 Mädchen und 98 Jungen. Im letzten Jahr konnten wir erstmals fast all diesen Kin­dern die obliga­torische Schuluniform finanzieren und damit die Familien erheblich entlasten.

    In Kama­nyola hat der heftige Regen wieder einmal einige Schuldächer beschädigt. Derzeit ist Höhepunkt der Regenzeit. Die Schule fragt an, ob wir einen Zuschuss zur Reparatur geben können. Aus dem Schulgeld allein lässt sich das nicht fi­nanzieren.

    Wie beschrieben sind Krankenhauskosten für viele Familien ein riesiges Problem, ob­wohl dies nicht zu unseren bisherigen Aufgaben zählte, dies zu fördern. Wer regelmäßig die wich­tigsten deutschsprachigen Kongoinformationen www.kongo-kinshasa.de liest, wird schnell fest­stellen, dass oft über die Hälfte der Berichte Krankheitsausbrüche im Kongo betreffen. So haben auch wir im letzten Jahr bei einigen dramatischen Notfällen Bitten um Finanzierung nicht ablehnen können, wie schon im letzten Kon­gobrief berichtet. Über die Hälfte der behandelten Personen und Kinder waren Kriegs­opfer, deren Leben durch unsere Unterstützung geret­tet werden konnte.

    Auch die Gruppen der Marafiki wa Mazingira benötigen wieder unsere Unterstützung, ebenso die Fortbildung der Gruppenleiter.

    Bitte helfen Sie uns die zahlreichen notwendigen und dringenden Bedarfe zu finanzieren.

    MitAfrika-Spendenkonto bei der Sozialbank:

    DE05 3702 0500 0020 0855 41 IBAN: BFSWDE33XXX

    Verwendungszweck: Schulgeld Uvira/Überlebenshilfe Kongo

    Wir danken allen ganz herzlich, die uns bisher gefördert haben für diese Aufgaben und bitten Sie wieder um eine Spende, vielleicht auch per Dauerauftrag oder Einzugsermächtigung, das Formular senden wir Ihnen gerne zu.

    Wer fährt mit nach Äthiopien ?

    Noch etwas ganz anderes : Im Anschreiben des Versandes der Spendenbescheinigungen kündigte ich im Januar an, dass in diesem Herbst noch einmal eine Rundreise durch Äthiopien möglich ist, wenn sich genügend Teil­nehmer melden. Letztes mal war die Reise sehr erfolgreich und unvergesslich für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bisher haben wir schon fünf oder sechs Interessenten. Wir würden uns freuen wenn noch eini­ge dazu kämen. Diese Äthiopienreise ist preisgünstiger als Angebote von Reisebüros, sie ist schon etwas ganz Besonderes. Weitere Infos sind vom MitAfrika-Büro zu bekommen.

    Haben Sie vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Arbeit. Ich wünsche Ihnen ein schöne Frühlingszeit und ein frohes Osterfest in den nächsten Wochen.