Kongobriefe 2026

    Kongobrief März 2026

     

    Liebe Freundinnen und Freunde unserer Überlebenshilfe für die Menschen im Kongo,

    Wunder kommen manchmal in ganz kleinen Schritten...

    So sanktioniert das amerikanische Finanzministerium neuerdings die ruandische Armee, weil sie die M23-Rebellen im Ostkongo unterstützt. Ruanda und der M23 war zudem vorgeworfen wor­den mit der Beset­zung Uviras im Südkivu das Doha-Abkommen verletzt zu haben. Deshalb sahen sich die Tutsi-Rebellen vor kurzem gezwungen, Uvira wieder zu verlassen. Sie richteten einen Grenz­posten im ungefähr 30 km weiter nördlich gelegenen Sange in der Ruzizi-Hochebene ein. Seit­dem ist sogar die Straßenverbindung zwischen Bukavu – Kamanyola - Uvira wieder offen. Burun­di hat seine Grenze zum Kongo am nördlichen En­de des Tanganjikasees wieder geöffnet, was vor allem für Uvira hilfreich ist, aber auch für kongolesische Flücht­linge in Burundi, die jetzt wie­der zurückkehren können. Damit hat sich alles ein klein wenig ent­spannt.

    Die eingezeichneten Kreise bezeichnen unsere früheren Aufforstungsprojekte

    Aber: Die Bevöl­kerung kämpft weiterhin ums Überleben.

    Hunger und Krank­heiten sind die größten Plagen“, hören wir. Seit die M23 Teile der Kivu-Provinzen unter ihre Kontrolle gebracht haben, liegt die Wirtschaft am Boden. Banken und Mikrofinanzinstitute sind ge­schlossen und außer Betrieb. Mobiles Bezahlen wird alter­nativ im­mer wichtiger.“

    Auch wir müssen viele unserer Nothilfen über mobile Zah­lungswege transferieren, deren Auszahlungsgebühren hoch sind. « Geldbe­schaffungskosten » nennt sich das. (Was früher die kongolesische Nationalbank besorgte.) Die einzelnen Transferbeträge sind be­grenzt. Doch für viele un­serer Freunde ist das, was von uns kommt, eine Überlebenshil­fe.

    Besonders wichtig ist uns, dass die langjährigen Unterstützun­gen für Schulgeld und für die Marafiki wa Mazingira weiterge­hen. Außer­dem war im letzten Jahr das erste Trimester der Barfuß-Berufs­schu­le eine große Er­mutigung für über 100 junge Frauen. In diesem Jahr kann dies, so hoffen wir, in einigen Monaten mit drei weiteren Tri­mestern weitergehen für insgesamt 390 Frauen und Mütter. Nicht nur Alpha­betisierung und Konservierung von Lebensmitteln stehen auf dem Programm, son­dern auch Nähen, Schneidern, Imkerei und verbesserte Öfen her­stellen.

    In Goma lässt Dr. Markellos mit unserer Unterstützung Artemisia auf einigen Feldern wachsen und kann inzwischen damit selbst Medikamente gegen Malaria herstellen, die dringend benötigt werden.

    Ungebremster Holzbedarf

    Leider verhindern weder das Doha-Abkommen noch andere einfluss­reiche Stellen die anhalten­den Abhol­zungen im Kahuzie-Biega-Natio­nalpark und inzwischen auch im Virunga-Nationalpark. Selbst kleinere Flä­chen aus unseren Aufforstungen stehen unter erheblichem Druck. Polizei und Rechtssicherheit sind ver­schwunden. Dies war zwar schon vorher nicht besonders stark, aber un­tereinander fanden die Kongole­sen immer Lösungen, einen Kompromiss, eine Einigung. Mit den Tutsi-Rebellen und ihren ruandischen Paten ist das nicht so einfach möglich.

    Unsere Antwort : Bäume pflanzen

    Gerade in dieser schwierigen Zeit im Osten bin ich sehr froh, wenn wir diese kleinen Pro­jekte mit den Marafiki wa Mazingira, den jugendli­chen Umweltschützern, weiterhin fördern kön­nen, sodass Bäu­mepflanzen und Waldbewirt­schaftung weiterhin statt­finden, auch wenn wir keine flächende­ckenden Aufforstungen mehr finanzieren können und lei­der auch nicht die Weite­rentwicklung der Forstwirtschaft, wie dies eigentlich mit den Förstern ge­plant war. Umso wichtiger ist, dass dieses Bäume pflan­zen "Selbstläufer" bleibt. Die Jugendli­chen sind die treibende Kräfte dafür. Eine sogenannte "Niederwald-Forstwirtschaft" ist im­mer noch besser als gar keine. Eigent­lich wollten wir die Partner zur "Hochwald-Forstwirtschaft" führen, die finanziell lukra­tiver ist, aber das gelang über das BMZ mit der früheren Organisation LHL lei­der nicht.

    Brief aus dem Ostkongo

    Ein Originalbericht aus dem Umfeld des bisherigen Kahuzie-Biega-Na­tionalparks berichtet, dass das Verschwinden der Wälder erheblichen Einfluss auf das lokale Mikroklima hat:

    « Die gegenwärtige Abholzung von Bäumen und Vegetation im und um den Kahuzi-Biega-National­park (PNKB) versetzt uns in eine prekäre Lage mit weitreichenden Folgen für die agrarökologischen Zonen der um­liegenden Gemeinden.

    Seit März 2025 sind die Niederschläge sehr selten, aber stellenweise sintflut­artig. In den Ökosystemen wurden zwei Probleme beobachtet:

    Reduzierte landwirtschaftliche Erträge, die zu Hunger, Armut und Mangel­ernährung unter gefähr­deten Be­völkerungsgruppen, insbesondere Frauen und Kindern, führen.

    Fehlende Vegetation, die als Futterquelle für Nutztiere dient.

    Die Sterblichkeit von Jungtieren, die in die­sem Zeitraum geboren wurden, da ihre Mütter nicht ge­nügend Milch hatten.

    Das Auftreten verschiedener Krankheiten in den Dörfern, die bereits viele Todesopfer gefor­dert ha­ben, da Familien sich aufgrund von Geldmangel die Behandlung ihrer Angehörigen in Krankenhäu­sern nicht mehr leis­ten konnten.

    Was die Verwendung von Heilpflanzen betrifft, so waren einige Pflan­zen lokal nicht mehr verfüg­bar, wes­halb manche Bewohner im Kahuzi-Biega-Nationalpark (PNKB) nach Heilmitteln suchten. Ei­nige kamen bei Auseinandersetzungen mit Angreifern ums Leben.

    Viele Frauen, die nicht über die Mittel verfügten, ihre Familien zu er­nähren, riskierten, sich im PNKB der Pro­stitution zuzuwenden und Holz­kohle zu verkaufen.

    Der Mangel an Brennholz und Baumaterialien trieb Männer wie Frau­en in den PNKB, um dort nach Ressour­cen zu suchen. Andere nutzten die Situation, um Holzkohle herzustellen, die im Handel zwi­schen Nord- und Süd-Kivu, sowohl entlang der Straßen als auch an den Seen, zu ei­nem knappen Gut geworden ist. 

    Um dieser Situation zu begegnen, legten wir im Rahmen unseres Programms „Gegenseitige Hilfe und Forst­wirtschaft“ (MWM) und mit Unterstützung unserer Mitglieder eine große Baumschule für die Produktion von Agroforst- und Aufforstungssetzlingen sowie Futterpflanzen an. Dies geschah alles in Reaktion auf die Bedürf­nisse der begünstigten Mitglieder. Wir haben das MWM-Team durch Aktivitä­ten erweitert, bei denen gleich­zeitig auch die Eltern einbezogen wurden, um sie darin zu schulen, die sie umgebende Biodiversität zu schüt­zen. »

    Mit dem nachfolgend skizzierten Konzept wollen wir in Zukunft die Jugendlichen Marafiki wa Ma­zingira in ihren neun Gruppen ausbilden:

    « Agrarökologie wird per Definiti­on als Lebensweise ver­standen, die auf dem Arbeiten mit der Natur basiert, nicht gegen sie, mit dem Ziel einer nachhaltigen Land­wirtschaft. Schulungs- und Lernaktivi­täten werden als wichtiger Pro­zess für den agrarökologischen Wandel betrachtet. Die Agrarökologie bietet Lösungen für die großen ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und po­litischen Herausforde­rungen unserer Zeit. Sie ist so­wohl eine Lebensweise als auch eine wissenschaftliche und gesell­schaftspolitische Bewegung, die von Menschen über Jahrtausende hinweg aufgebaut und entwickelt wurde. »

    Können wir in den nächsten Monaten mit Ihrer Unterstützung diese Arbeit fort­setzen?

    In diesem Schuljahr bemühen wir uns 188 Kinder zu fördern, die ohne Ihre Unterstützung nicht zur Schule gehen könnten, da im Kongo Schulbesuch Geld kostet. 132 Kinder in Uvira, davon 65 Waisenkinder und 56 Kinder in Ka­manyola hoffen bis zum Ende des Schuljahres (und darüber hinaus) aus Deutschland gefördert zu werden, 90 Mädchen und 98 Jungen. Im letzten Jahr konnten wir erstmals fast all diesen Kin­dern die obliga­torische Schuluniform finanzieren und damit die Familien erheblich entlasten.

    In Kama­nyola hat der heftige Regen wieder einmal einige Schuldächer beschädigt. Derzeit ist Höhepunkt der Regenzeit. Die Schule fragt an, ob wir einen Zuschuss zur Reparatur geben können. Aus dem Schulgeld allein lässt sich das nicht fi­nanzieren.

    Wie beschrieben sind Krankenhauskosten für viele Familien ein riesiges Problem, ob­wohl dies nicht zu unseren bisherigen Aufgaben zählte, dies zu fördern. Wer regelmäßig die wich­tigsten deutschsprachigen Kongoinformationen www.kongo-kinshasa.de liest, wird schnell fest­stellen, dass oft über die Hälfte der Berichte Krankheitsausbrüche im Kongo betreffen. So haben auch wir im letzten Jahr bei einigen dramatischen Notfällen Bitten um Finanzierung nicht ablehnen können, wie schon im letzten Kon­gobrief berichtet. Über die Hälfte der behandelten Personen und Kinder waren Kriegs­opfer, deren Leben durch unsere Unterstützung geret­tet werden konnte.

    Auch die Gruppen der Marafiki wa Mazingira benötigen wieder unsere Unterstützung, ebenso die Fortbildung der Gruppenleiter.

    Bitte helfen Sie uns die zahlreichen notwendigen und dringenden Bedarfe zu finanzieren.

    MitAfrika-Spendenkonto bei der Sozialbank:

    DE05 3702 0500 0020 0855 41 IBAN: BFSWDE33XXX

    Verwendungszweck: Schulgeld Uvira/Überlebenshilfe Kongo

    Wir danken allen ganz herzlich, die uns bisher gefördert haben für diese Aufgaben und bitten Sie wieder um eine Spende, vielleicht auch per Dauerauftrag oder Einzugsermächtigung, das Formular senden wir Ihnen gerne zu.

    Wer fährt mit nach Äthiopien ?

    Noch etwas ganz anderes : Im Anschreiben des Versandes der Spendenbescheinigungen kündigte ich im Januar an, dass in diesem Herbst noch einmal eine Rundreise durch Äthiopien möglich ist, wenn sich genügend Teil­nehmer melden. Letztes mal war die Reise sehr erfolgreich und unvergesslich für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bisher haben wir schon fünf oder sechs Interessenten. Wir würden uns freuen wenn noch eini­ge dazu kämen. Diese Äthiopienreise ist preisgünstiger als Angebote von Reisebüros, sie ist schon etwas ganz Besonderes. Weitere Infos sind vom MitAfrika-Büro zu bekommen.

    Haben Sie vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Arbeit. Ich wünsche Ihnen ein schöne Frühlingszeit und ein frohes Osterfest in den nächsten Wochen.