Barfuß-Berufsschule 2026-2027
Das ist das Haus der neuen Barfuß-Berufsschule in Uvira! Ein moderner schicker Neubau und nicht teurer als das vorherige Gebäude für welches der Vermieter 50$ mehr Miete im Monat verlangte, was man nicht bereit war zu bezahlen.
Die Barfuß-Berufsschule Kijana Kazi („arbeitende Jugendliche“) soll in einer zweiten Phase weitere junge Frauen und Mütter aus- und fortbilden, damit sie ihren Haushalt kostengünstiger führen und über zu gründende „Start-Ups“ Einkommen erwirtschaften können. Insgesamt sind in Uvira am nördlichen Tanganjikasee im Ostkongo drei Trimester in 12 Monaten geplant mit ungefähr 390 Teilnehmerinnen.

Blick auf einen Stadtteil von Uvira, rechts im Hintergrund der Tanganjikasee
Das Projekt wird von der Schmitz-Stiftung mit einem Zuschuß aus Mitteln des Entwicklungshilfeministeriums BMZ mit 25.000 Euro in den nächsten 12 Monaten bis zum 30.6.2027 gefördert. MitAfrika muss in dieser Zeit 25% Eigenmittel hinzufügen aus Spenden, also ungefähr 8.500 Euro, sodaß insgesamt 33.500 Euro Projektmittel zur Verfügung stehen.
Helfen Sie uns den Eigenanteil aufzubringen.
MitAfrika-Spendenkonto bei der Sozialbank:
DE05 3702 0500 0020 0855 41 IBAN: BFSWDE33XXX
Verwendungszweck: Barfuß-Berufsschule
Die offizielle Projektbezeichnung ist:
„Nachhaltige Berufsausbildung für Frauen und Mütter“
Ein kurzer Überblick zu den Vorhaben:
Viele junge Frauen im Kongo haben keine Schule besucht, sind also Analphabetinnen, weil Schulbesuch Geld kostet. Wenn die Familien Schulgeld zahlen können, dann vor allem zunächst für die Brüder. Deswegen gehört zu einem Teil der Ausbildung die Alphabetisierung von jungen Frauen. Weitere Kurse befassen sich mit der Vermittlung solarer Techniken (Trocknen, Kochen, Saftherstellung), mit der Vermittlung von Kenntnissen zur Herstellung von holzsparenden Öfen (Lorena-Lehmöfen) und Schonung der Holzressourcen durch Kenntnisse für Baumschulen und später Aufforstung, verbunden mit einer Kampagne zur nachhaltigen Holznutzung. Fast alle Frauen in Uvira kochen mit Holz oder Holzkohle. Der erste einführende Kurs findet während der Trockenzeit statt u.a. mit dem Anlegen von Baumschulen. Im zweiten Trimester stehen dann Aufforstungen im Vordergrund, da Auspflanzungen in der Regenzeit stattfinden müssen.
20 Frauen mit etwas Vorbildung lernen die Nutzung von Computern, für die einige weitere Computer angeschafft werden. Zur Ausbildung gehört die Vermittlung von Kenntnissen in der Führung von Kleinunternehmen/Kleinbusiness und der Vermarktung der Produkte (aus solarer Trocknung, Saftherstellung, aus den Baumschulen und Lorena-Öfen).
Einige junge Frauen nehmen an Kursen Teil, in denen ihnen die Voraussetzungen für die Gründung von „Start-Ups“ vermittelt werden, von kleinen Unternehmen, durch welche sie ihre Produkte vermarkten können. Um hier besonders armen Frauen eine Starthilfe geben zu können wird ein kleiner „rotierender“ Mikrokreditfonds eingerichtet.
Eine Gruppe von Frauen lernt Schneiderei und eine andere Gruppe Bienenzucht und Honigproduktion.
Die Partnerorganisation
ist der Verein MARAFIKI WA MAZINGIRA Uvira (Freunde der Natur, MWM), der die von allen Seiten zerstörte Natur also die Umwelt zu schützen will. Ein „Freund der Natur“ zu sein bedeutet, sich um das Leben aller Lebewesen zu kümmern, angefangen bei Menschen, Tieren und Pflanzen. Seine Aufgaben beschreiben die Vereinsmitglieder folgendermaßen:
„Angesichts einer Vielzahl aktueller Probleme (Unwissenheit, Armut, Analphabetismus, Kriege, Diskriminierung und Marginalisierung bestimmter Lebensbereiche) nimmt die Zerstörung der umgebenden Natur in der Region einen entscheidenden Platz ein. Wir haben eine pädagogische und konstruktive Aufgabe, Menschen in Entwicklungsprojekte und -strategien einzubinden.“
Ziel von MWM ist es,
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Junge Menschen ohne Berufsausbildung auszubilden;
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Pflanzung von Erosionsschutz- und Obstbäumen;
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Einrichtung von Schulungs- und Handwerkswerkstätten für gefährdete Menschen, um auf ihre sozioökonomischen Probleme einzugehen;
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Unterstützung lokaler Entwicklungsinitiativen mit dem Ziel, sich für den Schutz der Natur zu engagieren, negative Folgen für die klimatischen Bedingungen zu vermeiden;
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Aufklärung und Schulung ungebildeter und schutzbedürftiger junger Menschen über die Umwelt (Landwirtschaft, Fischerei, Viehzucht), indem ihnen die Möglichkeit gegeben wird, für eine nachhaltige finanzielle Selbstversorgung zu produzieren.
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Kampf gegen die Marginalisierung und Diskriminierung von Frauen (sexuelle Gewalt, Gleichberechtigung und Gefährdung durch HIV/AIDS)
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Förderung der sozialpädagogischen und beruflichen Entwicklung zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, Jugendkriminalität, sexueller Landstreicherei und anderen Formen des Vandalismus.
Projektbeschreibung – Hintergrund der Situation in Uvira
Kongolesische Frauen im Allgemeinen, insbesondere diejenigen, die in Süd-Kivu und in Uvira leben, stehen aufgrund anhaltender Diskriminierung und negativer sozialer Wahrnehmungen vor großen Herausforderungen beim Zugang zu und der Kontrolle wirtschaftlicher Ressourcen.
Bei den Frauen, auf die sich dieses Projekt bezieht, handelt es sich größtenteils um Haushaltsvorstände und Binnenvertriebene, die auf der Suche nach Sicherheit vor bewaffneten Konflikten aus ländlichen Gebieten geflohen sind. Viele wurden verlassen, nachdem sie Gewalt erlebt hatten, so dass sie allein für ihre Familien verantwortlich wurden und in extremer Verletzlichkeit leben.
Die allgemeine Situation im Kongo und besonders im landwirtschaftlich geprägten Ostkongo hat sich seit der Pandemie wesentlich verschlechtert. Sie war vorher schon prekär infolge der Kriegsereignisse in den 90er Jahren und im ersten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende. 2025 hat sich die Situation noch einmal verschlimmert durch die Besetzung weiter Teile des Ostkongos durch Ruanda und Tutsi-Rebellen. Uvira war davon besonders betroffen, blieb zeitweise indes in Regierungshand, allerdings unter der Herrschaft von regierungstreuen Wazalendo-Rebellen, dann kam auch eine Tutsi-Besetzung. Inzwischen ist Uvira wieder in Regierungshand und wird „normal“ verwaltet. All dies hat bewirkt, dass die Armut sich durch diese Entwicklung dramatisch verschlechterte. Dazu kommt, dass viele Männer arbeitslos sind. Die Frauen, die meist auch Mütter von mehreren Kindern sind, müssen irgendwie versuchen etwas hinzuzuverdienen, was manchmal durch Kleinhandel gelingt, oder, falls man einen Garten hat, durch etwas Landwirtschaft. Wenig geändert hat sich seit vielen Jahren der Alltag dieser armen Frauen, die oft ein Drittel des Arbeitstages mit der Suche nach Lebensmitteln bzw. Einkommen verbringen, ein Drittel bei der Suche nach Brennholz und ein weiteres Drittel beim Zubereiten der einzigen Mahlzeit, welche die meisten Familien sich leisten können und die am Abend eingenommen wird. Gekocht wird von den vielen Frauen nach wie vor auf dem traditionellen sogenannten „Drei-Steine-Ofen“, der viel Holz benötigt, von dem nicht viel Wärme in den Topf geht, sondern eher in die Luft. Das Holz muss gesucht werden, weshalb die Berghänge westlich von Uvira meist entwaldet, bzw. nur von Buschwerk bewachsen sind und dadurch auch erosionsgefährdet. (Im Osten begrenzt der Tanganjikasee die Stadt). Dazu kommt, dass in der gesamten Region in den letzten Jahren viel mehr Regen gefallen ist gegenüber früher, sodass der riesige Tanganjikasee mit einer Länge von 672 km und einer durchschnittlichen Breite von 50km und (im Norden) eine Tiefe von fast 1.500 Metern inzwischen einen mehr als einen Meter höheren Wasserspiegel hat als in früheren Zeiten. Der Lukugafluß, der ihn in der Stadt Kalemie den Tanganjikasee Richtung Kongofluss entwässert, hat dadurch permanent Hochwasser und überall, also auch in Uvira sind weite bebaute Ufergebiete überschwemmt. Was mit dem Meerespiegelanstieg weltweit infolge Klimawandel befürchtet wird, ist am Tanganjikasee bereits Realität. Viele Familien in Ufernähe mussten ihre Häuser und Wohnungen aufgeben. Sie wohnen inzwischen teilweise in Zelten in etwas höher gelegenen Gebieten. Auch haben diese Flächenverluste die Armut noch mehr vergrößert, während von den westlichen Bergen infolge der Abholzung immer wieder Geröll-Lawinen runterkommen, Wohngebiete gefährden, einzelne Häuser zerstören. Manchmal sind dadurch sogar Menschenleben zu beklagen.
Mit ihren Maßnahmen greift die Barfuß-Berufsschule diese Problematik auf und vermittelt Lösungen, um vor allem Frauen und ihren Familien zu helfen. MWM ist beispielsweise wichtig in ihren Fortbildungen den Frauen, die überall verzweifelt Holz suchen, zu zeigen, dass sie mit der Nutzung des Lorena-Lehmofens erhebliche Mengen an Holz einsparen können und auch wieder Bäumchen pflanzen müssen. Zwar kann Holzkohle (aus den westlicher gelegenen Regenwaldgebieten) gekauft werden, ist aber teuer und kostet mindestens soviel wie das Essen, das zubereitet wird. Somit bleibt den meisten armen Frauen die Suche nach Holz, für die sie immer weitere Wege zurücklegen müssen.
So wird fast überall immer noch gekocht - der "Drei-Steine-Ofen"

Das ist der Lorena-Ofen, der erhebliche Mengen an Holz einspart, weil die Brennkammer geschützt ist. Aber leider hat er sich immer noch nicht überall durchgesetzt - meist wird mit drei Steinen gekocht. Mit diesen Kursen der Barfuß-Berufsschule sollen die Frauen lernen den Lorena-Lehmofen selbst herzustellen.
Zu diesem Thema schreiben die Partner: „Im Gebiet von Uvira wurden viele Baumarten zur Gewinnung von Brennholz und Holzkohle zerstört, was zu geringer wirtschaftlicher und Ernährungsunsicherheit und damit zu großer Armut führte. Aus diesem Grund wurde in das Programm der Barfuß-Berufsschule die Schulung der Frauen in der Waldbewirtschaftung in den Hoch- und Mittelplateaus von Uvira integriert. Damit werden die Teilnehmerinnen von sechs Dörfern in unmittelbarer Umgebung von Uvira unterstützt. Dies ist ein Beitrag zur praktischen Lösung des Problems der Zerstörung von Waldökosystemen und zur Bekämpfung des Klimawandels in diesem Teil des Landes.“
Ungefähr die Hälfte der Kinder im Kongo können nicht zur Schule gehen, weil diese Schulgeld kostet, was ihre Eltern nicht aufbringen können. Analphabeten sind vor allem Mädchen, denn wenn die Eltern etwas Schulgeld finanzieren können, werden vor allem die Brüder zur Schule geschickt. Diese jungen Frauen, die nie eine Schule besucht haben, sind sehr daran interessiert Lesen und Schreiben zu lernen. In der Region von Uvira sind auch die Frauen jene, welche die oft kinderreichen Familien zusammenhalten und sich bemühen etwas hinzuzuverdienen.
Das Projekt wird auch Frauen aus Flüchtlingsfamilien integrieren, da in Uvira ein größeres Flüchtlingslager von Binnenflüchtlingen existiert, welche vor den Kämpfen im Nordkivu geflüchtet sind. Diese Familien leben in „Zeltstädten“. Einige davon werden (über Schulgeld) schon von MitAfrika e.V. unterstützt, einige dieser Mütter sollen die Möglichkeit bekommen an diesen Kursen teilnehmen zu können.
Die direkte Zielgruppe sind ungefähr 390 junge Frauen und Mütter, die im zweiten, dritten und vierten Trimester an den Kursen teilnehmen sollen: 60 Frauen für Imkerei, 60 Frauen für Schneiderei, 60 Frauen für IT, 60 Frauen für Unternehmensgründung und 150 Frauen für Alphabetisierung, Forst-, Lorena und Solartrocknerprogramm. Die Teilnehmerinnen gehören den ärmsten Bevölkerungskreisen an. Mindestens 50 Teilnehmerinnen sind behindert: sie können nicht Lesen und Schreiben. Analphabetismus ist eine erhebliche Behinderung im Alltag ... Hier sollen Kurse helfen Lesen und Schreiben zu lernen. Erfahrungsgemäß sind oft hochintelligente junge Frauen dabei, die aus den angegebenen Gründen dies noch nicht gelernt haben.
Die Teilnehmerinnen lernen mit unterschiedlichen Aktivitäten eigenständig Einkommen zu erwirtschaften. Soweit ihnen das zeitlich möglich ist (neben dem Familienleben, fast alle Teilnehmerinnen sind junge Mütter), werden diese Frauen mindestens zwei Kurse belegen.